Wie sehr kann ich meine Stromkosten mit einem Balkonkraftwerk senken?

Wie sehr kann ich meine Stromkosten mit einem Balkonkraftwerk senken?

Stromkosten zu senken, indem man ein Balkonkraftwerk installiert, ist für viele Menschen ein attraktiver Gedanke. Dabei spielen verschiedene Faktoren wie die Leistung des Solarpanels (Watt), die Ausrichtung und der Winkel zur Sonne, der Eigenverbrauch sowie die Sonnenstunden eine wichtige Rolle. All diese Aspekte haben einen Einfluss auf die Effizienz eines Balkonkraftwerks. Dabei sollte insbesondere der Faktor “Eigenverbrauch” näher betrachtet werden.

Realistische Erwartungen

Ein Balkonkraftwerk kann einen Teil der Grundlast eines Haushalts abdecken, wie z.B. den Betrieb eines Kühlschranks, Routers und anderer Geräte, die ständig in Betrieb sind. Mit einem 400 Watt Balkonkraftwerk können beispielsweise 70 bis 90 € Stromkosten pro Jahr eingespart werden. Die Amortisation der kleinen Solaranlage ist innerhalb von 4 bis 6 Jahren möglich, was sie zu einer lohnenden Investition macht.

Leistung des Panels

Generell gilt: Je höher die Leistung [Watt] des Panels, desto mehr Strom kann produziert werden. Die Leistung des Solarpanels ist proportional zur Menge des generierten Stroms, was die Auswahl eines leistungsfähigen Panels zu einer wichtigen Entscheidung macht.

Um den produzierten Strom auch tatsächlich im Hausnetz nutzen zu können, muss der Gleichstrom mittels eines Wechselrichters in Wechselstrom umgewandelt werden.

Beträgt die Nennleistung deines Wechselrichters 600 Watt, können auch nur 600 Wh eingespeist werden, auch wenn deine Solarmodule 800 Wh produzieren.

Ausrichtung

Die Ausrichtung des Balkonkraftwerks spielt eine entscheidende Rolle für die Stromproduktion. Idealerweise ist das Kraftwerk nach Süden ausgerichtet, um die maximale Menge an Sonnenlicht einzufangen. Allerdings können auch Installationen in anderen Himmelsrichtungen effektiv sein, mit Ausnahme von direkten Nordausrichtungen, die am wenigsten empfehlenswert sind.

Um die richtige Ausrichtung für dich zu finden, solltest du den typischen Stromverbrauch deines Haushaltets berücksichtigen. Denn du profitierst nur von niedrigeren Stromkosten, wenn du den produzierten Strom auch selbst verbrauchst. Richtest du dein Balkonkraftwerk nach Süden aus, produzierst du in der Mittagszeit besonders viel Solarstrom. Doch bist du in dieser Zeit nicht Zuhause, wird wahrscheinlich ein Großteil des Stroms in das öffentliche Netz eingespeist und nicht von dir verbraucht. Deshalb kann sich eine Ausrichtung gemäß deinen persönlichen Strom-Spitzenzeiten mehr nach Osten oder Westen lohnen.

Winkel zur Sonne

Balkonkraftwerke erreichen ihre optimale Effizienz, wenn sie in einem Winkel von etwa 30 bis 35 Grad zur Sonne ausgerichtet sind. Eine Anwinkelung von 90 Grad ist am wenigsten vorteilhaft, während eine komplett horizontale Anwinkelung auf dem Boden interessant sein kann, da sie es ermöglicht, Sonnenlicht aus verschiedenen Richtungen einzufangen.

Sonnenstunden in Deutschland

Die Anzahl der Sonnenstunden variiert in Deutschland je nach Bundesland. Im Jahr 2023 lag der Durchschnitt bei 1764 Stunden, mit Schwankungen zwischen 1600 und 1855 Stunden. Baden-Württemberg und Bayern verzeichneten die meisten Sonnenstunden (1855 Stunden), während Nordrhein-Westfalen (1645 Stunden) und Niedersachsen (1655 Stunden) am wenigsten Sonnenlicht hatten.

Auch wenn der Unterschied auf den ersten Blick ziemlich groß wirkt, handelt es sich dabei um ca. 12%. Die Nutzung eines Balkonkraftwerks macht also auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Sinn.

Eigenverbrauch

In der Debatte um die Effizienz von Balkonkraftwerken spielt der Eigenverbrauch eine entscheidende Rolle. Der produzierte Strom wird an das Netz abgegeben, wenn er nicht sofort von dir genutzt wird. Daher ist es wichtig, seinen Stromverbrauch an die Solarproduktion anzupassen oder andersherum die Produktion an deinen Verbrauch anzupassen.

Dadurch ist das Sprichwort “West und Ost ist das neue Süd” entstanden. Denn willst du die Stromproduktion in die Morgen- und Abendstunden verschieben, solltest du dein Balkonkraftwerk nach Osten bzw. Westen ausrichten. Dadurch kann der Eigenverbrauch gesteigert werden, obwohl insgesamt weniger Strom produziert wird. Dies kann die Effizienz des Systems insgesamt erhöhen und dazu beitragen, die Stromkosten weiter zu reduzieren.

Weitere Faktoren

Natürlich haben auch kleinere Faktoren wie z.B. die Sauberkeit der Solarmodule oder der Wirkungsgrad des Wechselrichters eine Auswirkung auf die Effizienz. Dies sind jedoch nur sehr kleine Einflussfaktoren.

Hast du weitere Fragen zum Ertrag deines Balkonkraftwerks, kontaktiere uns im Chat (Blauer Kreis in der rechten unteren Ecke).

So berechnest du deine Stromerzeugung!

Es gibt viele Formeln mit der du die Stromerzeugung deines Balkonkraftwerks ausrechnen kannst.

Eine erste Annäherung kannst du beispielsweise mit der folgenden Berechnungsformel erreichen:

Stromerzeugung = Leistung Solarmodul [kW] * 900 kWh/kWp

Die 900 kWh/kWp entsprechen der jährlichen Durchschnittsleistung [kWh], welche in Deutschland erwartet werden kann pro installierter Spitzenleistung einer Anlage unter idealen Bedingungen [kWp = Kilowattpeak].

Diese Zahl musst du also einfach mit der Kilowatt-Anzahl deines Balkonkraftwerks multiplizieren.

1 Kilowatt [kW] = 1000 Watt [W]

Für die Umrechnung von Watt in Kilowatt musst du einfach die Watt-Anzahl durch 1000 teilen. Ein 800 Watt Modul hat also 0,8 Kilowatt.

Setzt man den Wert in die Formel ein, ergibt sich folgende geschätzte jährliche Stromerzeugung:

Stromerzeugung = 0,8 kW * 900 kWh/kWp

Geschätzte jährliche Stromerzeugung = 720 kWh

Willst du deine Stromerzeugung und -ersparnis genauer berechnen, ist die Gleichung schon etwas komplizierter. Um eine erste Einschätzung zu erhalten, ist die oben beschriebene Formel jedoch ein guter Anhaltspunkt.

Willst du eine genauere Einschätzung kannst du folgenden Ertragsrechner von der HTW-Berlin nutzen: https://solar.htw-berlin.de/rechner/stecker-solar-simulator/

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